Ambivalenz ?!

Ambivalent

"Es spinnt sich also bei der Melancholie eine Unzahl von Einzelkämpfen um das Objekt an,
in denen Haß und Liebe miteinander ringen, die eine um die Libido vom Objekt zu lösen,
die andere, um diese Libidoposition gegen den Ansturm zu behaupten."
Sigmund Freud, Trauer und Melancholie

tagessatz.tumblr.com - ein Satz zum Tag

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                                Ambivalenz

 










Definitionen


Ambivalenz

[zu lateinisch ambo "beide zusammen" und valentia "Stärke"]: Charakterisierung von Handlungen oder Gefühlen, die mit gegensätzlichen, scheinbar einander ausschließenden Bewertungen (wie Liebe und Haß, Abscheu und Faszination) erlebt werden. So werden in der Regel Eltern von ihren Kindern geliebt, gelegentlich aber auch gehaßt.
(Meyers kleines Lexikon Philosophie, hrsg- von d. Red. Für Philosophie d. Bibliograph. Inst., Mannheim, Wien, Zürich 1987)

Ambivalenz

(aus lat. ambo, "beide" und valentia, "Stärke"), gefühls- und willensmäßige Doppelwertigkeit und -wirksamkeit nach sich widersprechenden Richtungen hin. A. besitzen manche Vorstellungen, die zugleich lust- und unlustbetont sind, Liebe und Haß, Neigung und Abneigung bedeuten; das eine dieser Gefühle wird gewöhnlich (unbewußt) verdrängt und durch das andere maskiert.
S. Strasser, Das Gemüt, 1956; H. Thomae, Der Mensch in der Entscheidung, 1960 (Philosophisches Wörterbuch, Körners Taschenausgabe Band 13, Stuttgart 1974)

Ambivalenz

Gleichzeitige Anwesenheit einander entgegengesetzter Strebungen, Haltungen und Gefühle, z. B. Liebe und Haß, in der Beziehung zu ein- und denselben Objekt. Freud übernimmt den Ausdruck >Ambivalenz< von Bleuler, der ihn geprägt hat. Bleuler nimmt Ambivalenz auf drei Gebieten an. Auf dem des Willens (Ambitendenz): das Subjekt will z.B zu gleicher Zeit essen und nicht essen. Auf dem des Intellekts: das Subjekt äußert gleichzeitig eine Meinung und deren Gegenteil. Auf dem des Affekts: es liebt und haßt in einer Regung die gleiche Person. Bleuler sieht in der Ambivalenz ein Hauptsymptom der Schizophrenie, erkennt aber die Existenz einer normalen Ambivalenz an. Die Besonderheit der Ambivalenz im Hinblick auf das, was vorher als Komplexität von Gefühlen oder Fluktuation von Verhaltensweisen beschrieben wurde, beruht einerseits auf der Aufrechterhaltung eines Gegensatzes von ja-nein, wo Bejahung und Verneinung simultan und unauflösbar sind; andererseits auf der Tatsache, daß dieser fundamentale Gegensatz in verschiedenen Bezirken des psychischen Lebens wiedergefunden werden kann. Bleuler bevorzugt schließlich die affektive Ambivalenz, und in diesem Sinn wird der Begriff dann von Freud verwendet. (...) In den Arbeiten von Melanie Klein (...) hat die Ambivalenz einen entscheidenden Platz.
Für Melanie Klein ist der Trieb von vornherein ambivalent: Die Liebe des Objekts unterscheidet sich nicht von seiner Destruktion; die Ambivalenz wird also eine Qualität des Objekts selbst, mit der das Subjekt ringt, indem es das Objekt in ein gutes und ein böses Objekt spaltet: Ein ambivalentes Objekt, das zugleich in höchstem Maße wohlwollend und zutiefst zerstörerisch wäre, könnte es nicht ertragen. (...)
(J. Laplanche, J-B. Pontalis, Das Vokabular der Psychoanalyse, Frankfurt/M. 1989, S. 55 ff.)

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Welt- und Spielräume

Zur Welt flüchten. Überlegungen zum Weltbegriff ausgehend von H. Arendt (pdf - 427 kb)
Katalogtext zur Ausstellung: Vom Verschwinden. Weltverluste und Weltfluchten PhoenixHalle Dortmund, 27. Aug. - 30. Okt. 2005 (HartwareMedienKunstVerein) Katalog: Inke Arns, Ute Vorkoeper, HMKV (Hg.): vom Verschwinden, Revolver: Frankfurt/M. 2005 (144 S., teilw. farbig)

Spiel- und Übergangsräume bei Donald W. Winnicott und Hannah Arendt;(pdf - 40 kb)
Vortrag gehalten auf dem 5. Bremer Symposium der HeinrichBöll Stiftung Bremen, "Begegnungen: Kunst, Politik und Psychoanalyse", Oktober 2004

Über: Oliver Marchart: Neu beginnen. Hannah Arendt, die Revolution und die Globalisierung, Wien 2005 (pdf - 33 kb)

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Trost

01

"Der war fromm und rechtschaffen, gottesfürchtig und mied das Böse"
Hiob 1,2



02

"Es ist für uns gut, wenn wir zuweilen in grosse Schwierigkeiten geraten; denn dadurch wird der Mensch wieder daran erinnert, dass er in der Fremde ist und seine Hoffnung auf nichts in dieser Welt setzen soll."
Thomas a Kempis, De imitatione Christi, XXII. Kapitel, Vom Segen der Trübsal

03

"Man behauptet, das Schicksal verstehe sich vorzüglich darauf, die Schlinge um den Hals seines Opfers nach und nach immer enger zu ziehen; nach meiner Ansicht aber versteht es noch viel besser, Bindungen zu zerreißen. Auf die dauer hilft es uns - mit oder ohne unseren Willen - aus der Vergangenheit, indem es uns von allen Bindungen befreit."
Yourcenar, Marguerite, Der Fangschuß, Müchen 2004, S. 73

04

Trost
Weißt du, was in dieser Welt
Mir am meisten wohlgefällt?
Daß die Zeit sich selbst verzehret
Und die Welt nicht ewig währet.

Friedrich von Logau

05

"Erflehe nichts: Aus vorbestimmten Los Vermag kein Sterblicher sich zu befrein."
Sophokles, Antigone, Stuttgart 1992, S. 58

06

"Was man auch sagen mag, der glücklichste Augenblick des Glücklichen ist doch der seines Einschlafens, wie der unglücklichste des Unglücklichen der seines Erwachens."
Arthur Schopenhauer, Auswahl aus seinen Schriften, München 1962, S. 98

07


"Wir, der Schwanz der Welt, wissen nicht, was der Kopf vorhat."
G. Chr. Lichtenberg, Aphorismen

08

"Das Leben, dieser Erdenschranken satt, Hat stets die Macht, sich selber zu entlassen."
Shakespeare, Julius Cäsar

09

Wer noch nie etwas von Johann Peter Hebel und dem"Schatzkästlein des Rheinischen Hausfreundes" (1811) gehört hat , wird nicht im entferntesten die erbaulichen und tröstenden Aspekte der vielen kleinen Erzählungen und Anekdoten ermessen können, die der Band auf so kurzweilige Weise versammelt. Was gemeint sein könnte, wenn der Verfasser diesen "Kindern des Scherzes und der Laune auch ein nettes und lustiges Röcklein" umzuhängen trachtet (so heißt es in der Vorrede), der lese beispielsweise den kleinen Schwank " Ein Wort gibt das andere". Das Trost - modern gesprochen - auch eine Frage der Vermittlung ist oder durch diese doch vorbereitet wird, erschließt sich umstandslos durch die Lektüre.

10

Trost der Gewissheit:
"Nein!
Pfeift der Sturm?
Keift ein Wurm?
Heulen
Eulen
hoch vom Turm?
Nein!
Es ist des Galgenstrickes
dickes
Ende, welches ächzte,
gleich als ob
im Galopp
eine müdgehetzte Mähre
nach dem nächsten Brunnen lechzte
(der vielleicht noch ferne wäre)"
Christian Morgenstern

11

"Im Grunde ist Leben ein Prozeß des Niedergangs."
Francis Scott Fitzgerald, Der Knacks, Berlin 1984, S. 9

12

"Menschenlos. - Wer tiefer denkt, weiß, daß er immer unrecht hat, er mag handeln und urteilen, wie er will."
Friedrich Nietzsche, Menschliches, Allzumenschliches, München1982, S. 260

13

"Es gibt kein normales Leben, es gibt nur das Leben."
Doc Holiday in dem Western "Tombstone"

14

"Lage des Menschen. Unbeständigkeit., Langeweile, Ruhelosigkeit."
Blaise Pascal, Gedanken, 24/127

15

Der Einsiedler

Komm, Trost der Welt, du stille Nacht!
Wie steigst du von den Bergen sacht,
Die Lüfte alle schlafen,
Ein Schiffer nur noch, wandermüd',
Singt übers Meer sein Abendlied
Zu Gottes Lob im Hafen.
Die Jahre wie die Wolken gehn
Und lassen mich hier einsam stehn,
Die Welt hat mich vergessen,
Da tratst du wunderbar zu mir,
Wenn ich beim Waldesrauschen hier
Gedankenvoll gesessen.
O Trost der Welt, du stille Nacht!
Der Tag hat mich so müd' gemacht,
Das weite Meer schon dunkelt,
Laß ausruhn mich von Lust und Not,
Bis daß das ew'ge Morgenrot
Den stillen Wald durchfunkelt.
Joseph Freiherr von Eichendorff

16

"Leben heißt Boden verlieren."
Cioran, Vom Nachteil geboren zu sein, Frankfurt/M. 1979, S. 79

17

"Die Zeit, die über allem wacht, hat gegen deinen Willen eine Lösung gebracht. Die Zeit, die die Antwort kennt, ist weitergegangen. Es ist ein Tag wie dieser hier, ein wenig später, ein wenig früher, an dem alles neu beginnt, an dem alles beginnt, an dem alles weitergeht."
Georges Perec, Ein Mann der schläft, Frankfurt/M. 1991, S. 135

18

"Wenn es der Menschheit nur bald gelänge, sich zu vernichten; ich fürchte zwar: es wird noch lange dauern, aber sie schaffen es bestimmt."
Arno Schmidt, Enthymesis oder W.I.E.H., Zürich 1987, 19
W.I.E.H.; das enigmatische Erkennungszeichen einer Gemeinschaft der Dissoziation.

19

An sich
Sei dennoch unverzagt! Gib dennoch unverloren!
Weich keinem Glücke nicht, steh höher als der Neid,
vergnüge dich an dir und acht es für kein Leid,
hat sich gleich wider dich Glück, Ort und Zeit verschworen.
Was dich betrübt und labt, halt alles für erkoren;
nimm dein Verhängnis an. Laß alles unbereut.
Tu, was getan muß sein, und eh man dir's gebeut.
Was du noch hoffen kannst, das wird noch stets geboren.
Was klagt, was lobt man noch? Sein Unglück und sein Glücke
ist ihm ein jeder selbst. Schau alle Sachen an:
dies alles ist in dir. Laß deinen eitlen Wahn,
und eh du fürder gehst, so geh in dich zurücke.
Wer sein selbst Meister ist und sich beherrschen kann,
dem ist die weite Welt und alles untertan.

Paul Fleming

20

"Das vermeintliche Training war unwiderrufliche Wirklichkeit; die Einleitung - der eigentliche Inhalt; die Hoffnungen - Hirngespinste; das Unverbindliche aber, das Provisorische, das Vorübergehende - alles, was das Leben ausmacht. Nichts von dem, was sich nicht erfüllt hat, wird sich noch erfüllen; und man muß sich schweigend damit abfinden, ohne Angst und wenn es geht auch ohne Verzweiflung."

Stanislaw Lem, Ananke, in: der Unbesiegbare / Die Jagd, Berlin 1990, S. 314

21

"Am folgenden Morgen, bei trübem, regnerischem Wetter, traf er in Straßburg ein. Er schien ganz vernünftig, sprach mit den Leuten. Er tat alles, wie es die andern taten; es war aber eine entsetzliche Leere in ihm, er fühlte keine Angst mehr, kein Verlangen, sein Dasein war ihm eine notwendige Last. So lebte er hin ..."
Georg Büchner, Lenz, Schlußsatz

22

"Er saß nackt in seinem Schaukelstuhl aus rohem, garantiert unzerbrechlichen Teakholz, das nachts nicht knarrte und gegen Würmer und Witterungsschäden gefeit war. Er gehörte ihm, er verließ ihn nie.""
Samuel Beckett, Murphy, Hamburg 1987, S. 9

23

"(...) in den kurzen Augenblicken, in denen es die menschliche Gattung erträgt, ihr bienenfleißiges Treiben zu unterbrechen, das Wesen dessen zu erfassen, was sie war und noch immer ist, diesseits des Denkens und jenseits der Gesellschaft: zum Beispiel bei der Betrachtung eines Minerals, das schöner ist als alle unsere Werke; im Duft einer Lilie, der weiser ist als unsere Bücher; oder in dem Blick - schwer von Geduld, Heiterkeit und gegenseitigem Verzeihen -, den ein unwillkürliches Einverständnis zuweilen auszutauschen getattet mit einer Katze."
Claude Lévi-Strauss, Traurige Tropen, Frankfurt/M. 1978, Schlußsatz

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